Points of Insects

Stadtnatur-Kampagne in Darmstadt

Städte werden eigentlich von Menschen für Menschen erbaut und dennoch teilen sie sich diese mit zahlreichen anderen Lebewesen. Die Ansprüche, die dabei an städtische Flächen gestellt werden, unterscheiden sich oft sehr stark – je nachdem wer gefragt wird.

Wie nehmen Insekten und Spinnen eine Stadt wahr, wie sieht ihr Stadtleben aus?

Die Ausstellung Stadtnaturpunkt lädt dazu ein, unseren Lebensraum einmal mit anderen Augen zu sehen. An zahlreichen Points of Insects wird in Darmstadt auf wichtige Lebensräume für Insekten und Spinnen aufmerksam gemacht und erklärt, wie ihr Leben auf diesen Flächen so aussieht.

Die Points of Insects können ab dem 22. März 2024 im Stadtgebiet von Darmstadt erkundet werden. Sie stellen die Arbeit zahlreicher lokaler Akteure für mehr Biodiversität ins Rampenlicht: Von städtischen Ämtern über Firmen und Bildungseinrichtungen bis hin zu Bürgerinitiativen und Vereinen gibt es zahlreichte ermutigende Beispiele. Die Points of Insects wollen die Akteuere und solche, die es noch werden wollen miteinander ins Gespräch bringen, so dass sie sich gegenseitig motivieren und voneinander lernen können. Hierfür bieten wir im Rahmen der Kampagne ein umfangreiches Begleitprogramm mit zahlreichen Führungen, Mitmachaktionen, Vorträgen und vielem mehr an.
Termine in unserem Begleitprogramm findet ihr hier.

Übersicht zu den Flächenkategorien:

Begleitprogramm

Juni

Mittwoch, 19. Juni
ab 18:00 Uhr

Stadtnatur meets Naturgarten

Exkursion

Wollen Sie einen Beitrag zur Natur in der Stadt leisten? Da haben wir etwas für Sie: Beginnend am Naturgarten am Schlossgartenplatz stellt Ihnen Karin Lübbe, Leiterin des Umweltamts verschiedene Aspekte von Natur in der Stadt vor. Tauchen Sie ein in die vielfältige Welt der Natur mitten in der Stadt und erkunden Sie die Schönheit und Bedeutung von Naturgärten für die Artenvielfalt. Erfahren Sie mehr über die Gestaltung unserer Naturgartenfläche und erhalten Sie inspirierende Beispiele, die Sie zu Hause nachmachen können.

Anmeldung:

Zur Teilnahme bitte per Mail anmelden beim Umweltamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt:
umweltamt@darmstadt.de

Treffpunkt:

Schlossgartenplatz Darmstadt

19. Mittwoch
ab 18:00 Uhr

Donnerstag, 20. Juni
17:00 - 18:00 Uhr

Zu Besuch in der Klause am Hauptbahnhof

Biodiversität mit allen Sinnen erleben und genießen

Darmstädter Wiesen-Geschichten

Adrian Jost (Biologe, Leiter in Gastronomie & Kultur, Stadtgärtner) und Dieter Krellmann (Designer, Künstler, Terra preta-Hersteller, Stadtgärtner) von der Initiative Essbares Darmstadt e.V. nehmen uns mit in den Garten der Klause und zeigen uns dort wie der Verein ihn zu einem nachhaltig lebenswerten Aufenthaltsraum für Mensch und Tier gemacht hat. Hier können Wiesionen wachsen!

Anmeldung:

Zur Teilnahme bitte per Mail anmelden beim bioversum Jagdschloss Kranichstein:
anfrage@jagdschloss-kranichstein.de

Treffpunkt:

Klause am Hauptbahnhof Darmstadt
Am Fürstenbahnhof 1, 64293 Darmstadt

20. Donnerstag
17:00 - 18:00 Uhr

Freitag, 21. Juni
16:00 - 18:00 Uhr

Exkursion zu den Grünflächen auf dem nicht öffentlich zugängnlichen Betriebsgelände des Zentral-Klärwerks

Exkursion

Wir laden Sie zu einem besonderen Spaziergang über die Kläranlage ein: wir besuchen die angelegten Rückzugsräume für Insekten, Refugien in Heckenbeständen und extensivierte Rasenbestände! Diese einzigartigen Lebensräume bieten nicht nur einen Zufluchtsort für eine Vielzahl von Insekten und Spinnen, sondern sind auch ein lebendiges Beispiel dafür, wie Mensch und Natur harmonisch zusammenleben können. Durch den Besuch dieser Flächen haben Sie die Möglichkeit, die erstaunliche Vielfalt der Natur inmitten der Stadt zu erleben und zu erkunden. Erfahren Sie, wie diese Flächen dazu beitragen, die lokale Umwelt zu verbessern und die Artenvielfalt zu fördern.

Anmeldung:

Zur Teilnahme bitte per Mail anmelden beim Umweltamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt:
umweltamt@darmstadt.de

Treffpunkt:

Zentral-Klärwerk, Gräfenhäuser Str. 118, 64293 Darmstadt

21. Freitag
16:00 - 18:00 Uhr

Die Flächenkategorien im Detail:

Begleitgrün

Robuste Pflanzengesellschaften

Wenn in unseren Städten die Grünstreifen entlang von Straßen nicht regelmäßig kurz gehalten werden, können sich dort Blühstreifen entwickeln. Im sogenannten Straßenbegleitgrün stellen sich dann Pflanzengesellschaften ein, die mit dem Fahrtwind, der erhöhten Temperatur und dem Schadstoffeintrag an Straßenrändern gut umgehen können. Häufig sind Pflanzen mit Flugsamen vertreten, die den Luftzug der Autos für ihre Verbreitung nutzen. Die Artenzusammensetzung dieser Blühstreifen ist oft von sogenannten Neophyten geprägt, also Pflanzen, die erst in jüngerer Zeit bei uns heimisch geworden sind.

Nahrungsquelle am Straßenrand

Manchmal werden diese Grünstreifen entlang von Straßen oder Gleisen mit speziellen Samenmischungen eingesät oder mit Zwiebelpflanzen bestückt. Diese grünen Verbindungswege werden von Insekten zur Nahrungssuche angeflogen und genutzt, um zwischen Grünflächen zu wandern.

Verbindungen schaffen

Begleitgrün hilft dabei, städtische Grünbereiche zu vernetzen. Um die Sicht der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, wird an Straßen regelmäßig gemäht, idealerweise aber nur so oft wie nötig. Randstreifen werden kurz gehalten, während weiter von der Straße entfernte Bereiche höher wachsen können.

Biodiversitätsflächen

Mehr als Nahrung

Tiere brauchen nicht nur Nahrung, sondern auch Versteckmöglichkeiten, Wasser und Nistmaterial. Das alles muss sich innerhalb des Bereiches befinden, der für sie mit vertretbarem Energieaufwand erreichbar ist. Fehlt eines dieser Elemente oder ist es zu weit entfernt, können Tiere in diesem Bereich nicht leben.

Alles auf einem Fleck

Flächen, auf denen Tiere Nahrung, Wasser, Verstecke und Nistmaterial finden, sind daher ökologisch besonders wertvoll. Das ist vor allem in Städten wichtig, da hier grüne Inseln oft weiter voneinander entfernt sind. Von diesen Biodiversitätsflächen aus können Tiere andere Grünflächen, die sich als Lebensraum eignen, erreichen und diese bestenfalls dauerhaft besiedeln.

Vielfalt schafft Vielfalt

Biodiversitätsflächen weisen viele Strukturen auf, die von Tieren genutzt werden: Wildblumenwiesen bieten Insekten Nahrung, Totholzhaufen dienen als Verstecke, in Senken kann sich Wasser sammeln. Vögel, Fledermäuse und Siebenschläfer nutzen Hohlräume in alten Bäumen zum Ausruhen und für ihren Nachwuchs. Manche Wildbienenarten bauen Nester in Sandböden. Andere nutzen morsches Holz oder abgestorbene Pflanzenstängel zur Eiablage.

Friedhöfe

Hotspot des Lebens

Wir Menschen verbinden Friedhöfe mit dem Gedenken an den Tod. Wer genau hinsieht, kann erkennen, dass es auf Friedhöfen auch sehr viel Leben geben kann. Die Bepflanzung auf den Gräbern selbst ist dabei oft nicht besonders attraktiv für Insekten, da dort auch immergrüne Pflanzen, Schnittblumen und Gestecke zum Einsatz kommen. Es gibt jedoch einen Trend zur naturnahen Grabpflege, der auch Insekten zugute kommt.

Strukturreiches Gelände

Es sind auch die Bäume und Sträucher auf dem Friedhofsgelände, die für größere Tiere wie Igel, Fledermäuse oder viele Vogelarten wertvolle Lebensräume in der Stadt bieten. Das gilt insbesondere für Friedhöfe mit altem Baumbestand, da Baumhöhlen gerne als Nist- und Überwinterungsplätze angenommen werden. Auch Mauern sind wichtige Strukturen, die von Eidechsen oder Wildbienen genutzt werden.

Nahrungsangebot für Zaunkönig und Igel

Wenn Kräuterrasen und Blühflächen zwischen Gräbern und auf Erweiterungsflächen wachsen und diese selten gemäht werden, fühlen sich kleinere Tiere dort wohl. Eine große Vielfalt an Insekten, Spinnen, Schnecken und Würmern sorgt dafür, dass Säugetiere und Vögel auf Friedhöfen reichlich Nahrung finden.

Parks

Parks sind die größten Grünanlagen in Städten

Dort trifft man sich zum Sport, zum Picknick oder zum Spaziergang. Sie sorgen für Kühlung, wenn sich Städte im Sommer aufheizen und stellen einen wichtigen Lebensraum für Tiere in der Stadt dar. Die Gestaltung und die Pflege haben einen großen Einfluss darauf, wie attraktiv ein Park für Tiere ist.

Gewusst wie!

Große Bereiche werden kurz gemäht. Auf diesen Rasenflächen kann man dann gut sitzen, sie sind aber nur für wenige Tiere nutzbar. In Parks gibt es immer häufiger Blühwiesen anstelle von Rasen als zusätzliche Gestaltungselemente. Oft sind sie mit einem gemähten Streifen, dem Bankett oder „Akzeptanzstreifen“, zum Weg hin abgegrenzt. Dadurch wird kenntlich gemacht, dass es sich um eine pflegerische Maßnahme handelt.

Jeder hat andere Vorstellungen

In Parkanlagen müssen verschiedene Interessen berücksichtigt werden: Schattenspendende Bäume, Rasen, Naturbereiche und Zierbeete können nebeneinander Platz finden.

Staudenbeete

Ein wichtiger Beitrag zur Biodiversität

Staudenbeete mit mehrjährigen Pflanzen sind attraktive Gestaltungselemente in Parks, Gärten oder auf öffentlichen Plätzen in der Stadt. Sie sind nicht nur ein Hingucker, sondern eine wichtige Anlaufstelle für viele fliegende Insekten.Sie werden von der Blütenpracht angelockt und finden dort Nektar und Pollen. Oft summt und brummt es rund um diese Beete, die mit der richtigen Bepflanzung einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität in der Stadt leisten.

Weniger ist mehr

Zierpflanzen werden auf einen möglichst großen Schauwert hin gezüchtet. Sie haben oft spektakuläre Blüten mit sehr vielen Blütenblättern, enthalten aber nur wenig Pollen und Nektar. Ihre „gefüllten Blüten“ sind für hungrige Insekten wertlos. Diese verlieren sogar Energie, wenn sie von den auffälligen Blüten angelockt werden, dort aber keine Nahrung finden.

Ideen zum Nachmachen

Staudenbeete sollten auch heimische Wildstauden enthalten, da zum Beispiel einige Wildbienenarten an bestimmte heimische Pflanzenarten angepasst sind. Solche Beete, die an zentralen Stellen angelegt sind, können zum Nachmachen anregen – insbesondere mit einer Beschriftung der verwendeten Pflanzen und einer Information über die Tiere, die davon profitieren.

Eh da - Flächen

Überschrift

Auf den ersten Blick sind sie unscheinbar, haben aber ein unglaubliches Potential für die biologische Vielfalt in Städten: Flächen, die einfach da sind, aber keiner speziellen Nutzung unterliegen. Diese sogenannten Eh da-Flächen (ja, die nennt man tatsächlich so…) werden oft übersehen und in ihrer Bedeutung als Lebensräume unterschätzt. Beispiele sind Baulücken, ungünstig geschnittene Baugrundstücke, für die sich kein Abnehmer findet oder Gelände, das zum Beispiel wegen Hochwasserschutz nicht bebaut werden darf.

Überall ist Leben

Auf allen Flächen, die nicht versiegelt sind, wachsen schon nach kurzer Zeit Pflanzen, die an diese Bedingungen angepasst sind. Sobald eine Fläche begrünt ist, lockt sie auch Tiere an. Die kleinen und größeren Eh da-Flächen spielen als grüne Inseln eine wichtige Rolle bei der Vernetzung von Biotopen.

Ökologisches Potential ausschöpfen

Es lohnt sich, diesen ungenutzten Flächen mehr Beachtung zu schenken. Teilweise können sie sich selbst überlassen werden, zum Teil können wir sie als Lebensraum aufwerten. Das kann vom Entfernen von Müll über ein Mahdkonzept bis hin zu einer Ausmagerung des Bodens oder dem Einbringen von Saatgut gehen.

Wiesen

Ohne Menschen keine Wiesen

Wiesen sind vom Menschen geschaffene Lebensräume, die mit der Nutzung von Heu als Winterfutter entstanden sind. Werden sie nicht gemäht, siedeln sich bald Sträucher und Bäume an und verdrängen die Wiesenpflanzen. Um den Lebensraum Wiese zu erhalten, müssen Wiesenflächen gemäht und somit gepflegt werden.

Wenn der Mäher kommt

Es ist aber nicht egal, wie gemäht wird, denn für Wiesenbewohner stellt das Mähen eine lebensbedrohliche Gefahr und eine schlagartige Veränderung ihrer Umwelt dar. Sie kommen besser damit zurecht, wenn weniger oft und nicht so tief über dem Boden gemäht wird. Die Wahl des Mähgerätes macht einen Unterschied, wie viele Tiere verletzt oder getötet werden. Die Häufigkeit des Mähens hat einen Einfluss darauf, welche Pflanzen auf einer Wiesenfläche wachsen und dadurch auch auf die Tiere, die dort Nahrung finden können.

Attraktiver Lebensraum

Viele Insekten und andere Kleintiere sind an den Lebensraum Wiese angepasst: Hummeln und Schmetterlinge besuchen Blüten, um Nektar zu trinken und Pollen zu sammeln. Heuschrecken fressen an Gräsern und Wanzen saugen nährstoffreichen Pflanzensaft. Für Räuber wie Spinnen oder Laufkäfer sind Wiesen ergiebige Jagdgebiete.

Gärten

Gärten bringen Natur in die Stadt

In Wohngebieten gibt es sie in den unterschiedlichsten Ausführungen: Vom Nutz- oder Spielgarten hinter dem Haus über Vorgärten und Kleingartenanlagen bis hin zum grünen Balkon. Für Vögel und Säugetiere sind größere Gärten attraktiv. Aber auch kleine grüne Inseln sind wichtig: Insekten und andere kleine Tiere nutzen sie bei der Suche nach Futter und als Trittsteine, um innerhalb der Stadt zwischen möglichen Lebensräumen zu wandern. Damit sie die Strecke von einer zur anderen Grünfläche gut bewältigen können, brauchen sie viele dieser grünen Inseln, die nahe beieinander liegen.

Gewusst wie!

Bei Gärten kommt es nicht unbedingt auf die Größe, sondern eher auf die Ausstattung an. Gerade Schottergärten sind ökologische Wüsten. Auch wöchentlich gemähte Rasen bieten Tieren keinen Lebensraum. Dagegen locken Gärten mit Kräuterrasen, Blühflächen, Obstbäumen, Ecken mit vertrockneten Pflanzen und Totholzhaufen Tiere unterschiedlicher Größe an.

Tiere mögen es wild

Manchmal ist es nicht so einfach, seinen Garten wilder zu lassen, als es in der Nachbarschaft erwartet wird. Aber gerade das macht einen Garten zum attraktiven Lebensraum, da Tiere dort Schutz finden und überwintern können.

Kooperationspartner:

In Darmstadt haben sich zahlreiche Kooperationspartner mit ihren Flächen an den Points of Insects beteiligt und stellen diese auch im Rahmen unseres Begleitprogramms vor. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für die Zusammenarbeit und das Engagement für unsere städtischen Insekten und Spinnen!

Ein ganz herzliches Dankeschön außerdem an Darmbach e.V., DiNArDa e.V., HGON, NABU und YogaGrün, die mit ihren wertvollen Beiträgen unser Begleitprogramm zu den Points of Insects bereichern.

Das Projekt BioDivKultur wird von der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.

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